Warum ich ein schlechtes Erklärbärchen bin

Eigentlich hatte ich ja gar nicht damit gerechnet, so schnell schon wieder etwas posten zu  werden, andererseits sind spontane Aggressionen meistens ein guter Anlass für einen Text und wenns schon eine Plattform zum Hochladen gibt, warum das dann nicht auch tun.

Aggressionen verursacht hat bei mir das Lesen eines Artikels auf SPON, dem Online Blog von Spiegel Online (Inhaltswarnung: Ziemlich diskriminierender Müll gegenüber Menschen mit sog. Behinderungen, insbesondere gegenüber blinden Menschen): http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/silke-burmester-ueber-behinderten-witze-und-inklusion-a-937618.html

Mela hat sich daraufhin auf ihrem Blog die Mühe gemacht, einen sehr lesenswerten offenen Brief an ebenjene Journalistin zu verfassen und Silke Burmester damit ein Geschenk gemacht, das diese absolut nicht zu würdigen wusste.
Tatsächlich meldete sich Burmester über die Kommentarfunktion zu Wort; die darauffolgende Diskussion führte Mela mit bemerkenswertem Einsatz und viel, viel Geduld. Geduld, die ich niemals hätte. Die Kommentare kommentieren würde ich dennoch gerne.

„Liebe Frau Eckenfels, ich fühle mich missverstanden.“
Buhu. Buhuhu. Buhu. Ist das traurig.

„Ich finde es selbstverständlich, wenn Menschen mit Behinderung ihre Rechte und Teilhabe einfordern.“
Ach, schön dass Sie das finden. Fast hätte ichs schon sein gelassen, aber wenn Sie mir das ok dazu geben, dann mach ich mal weiter. Gut, dass wir darüber mal gesprochen haben! Hat nicht auch Joss Whedon (Link auf Englisch) mal behauptet, dass es total selbstverständlich sei, dass Frauen* die gleichen Rechte haben sollte, wie Männer* und deswegen ja nur dumme Menschen sexistisch wären? Was er, Schöpfer von Buffy – The Vampire Slayer, natürlich nie ist und nie gewesen ist. Klaaaar…

„Ich bin aber tatsächlich der Meinung, und jetzt wiederhole ich mich, dass Menschen mit Behinderung blöde Witze aushalten müssen. So, wie alle anderen auch.“
Ja, das finde ich auch! Wo kämen wir denn da hin, wenn diese ganzen sich für nicht behindert haltenden Menschen (und damit sind sie natürlich auch nicht behindert) jetzt auch alle über jeden Witz, der über ihr Nicht-Behindertsein gemacht wird, weinen würden.
Ich als Rollstuhlfahrer_in kenne ja ganz viele Witze über laufende Menschen. Sie auch? Ich erzähl Ihnen mal einen: Was macht ein laufender Mensch wenn der Fahrstuhl kaputt ist? Die Treppe nehmen. Ahahaha. Witzig wa?

[im Folgenden Zitat geht es um die Wut über Michael Ringel, der in abwertender Weise Blindenfußball kommentierte]
„Statt auf seine billige Provokation reinzufallen und “Empörung!” zu schreien, wäre es viel souveräner, ihm zwei Karten für das nächste Spiel zu schicken.“
Jaja, das altbekannte Niveauargument. Reeegt euch doch nicht so auf, steht doch drüber, anstatt das so an euch ranzulassen. Schirmt euch halt mal ab! Jetzt lasst euch nicht so fertig machen, nur weil ihr diskriminiert werdet.
Echt mal. Sie würden das auch nicht tun, nicht war Frau Burmester, wenn Sie blind wären? Ach ne Moment mal, Sie sind gar nicht blind und können gar nicht wissen, as sie tun würden, wenn Sie es wären. Ruhe auf den billigen Plätzen, verdammt!

„[…] Aber nein, man lässt sich provozieren und zeigt, dass man bitte doch eine Sonderbehandlung will und zwar die: Keine Witze über uns.“
Hä?

[Das Blindenfußball-Team aus Marburg, welches von Michael Ringel diskreditiert und diskriminiert wurde, hatte sich den Spaß gemacht, Ringel und die TAZ Redaktion zu einem Fußballspiel herauszufordern, um die Angelegenheit zu „klären“. Silke Burmester findet das großartig.]
„Aber schon mal meine Freude über den Brief der Fußballmannschaft. So geht es doch: Auf gleicher Eben zurückschießen. Darauf warten wir Normalos.“
Irgendwo tief in mir drin ertönt gerade der Urschrei.


AAAAAAAAAAAAAAAAAAAARRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRRGH


Ja super. Ihr „Normalos“, wie Sie sich und Ihre Nicht-Behinderten Homies so ganz selbstironisch bezeichnen (ahahaha!! sind wir nicht lustig, wir sind ja soooooo reflektiert. wir fühlen uns ja auch gar nicht normal und normal gibts ja eh nicht, wir tun nur alles dafür, dass wir weiterhin privilegien haben, aber no offense, weißte), könnt warten bis zum Weltuntergang! Wo sind wir denn hier, dass Menschen, die andere Menschen diskriminieren, auch noch Ansprüche stellen, wie darauf reagiert zu werden hat, damit ihr dann auch noch Kekse verteilen könnt, dafür, dass wirs euch sooooo doll gezeigt haben und ihr euch dann noch mal toll fühlen könnt, weil ihr jetzt endlich diesen dummen Behinderten beigebracht habt, wie man sich wehrt?! Weil ihr ja so viel Erfahrung darin habt?! Weil ihr ja jeden Tag Witze über Nicht-Behinderte ertragt?! *kopfmeetstischkanteveryhard*

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Aber klar, eigentlich warten ja alle als behindert markierten Menschen jeden Tag nur auf so eine Situation, in der ihnen ein nicht-behinderter Mensch sagt „Wow, das hast du gut gemacht. Du hast dich so richtig gewehrt, ich bin so stolz auf dich.“ Krieg ich jetzt n Keks?

Linux Install Party @ TrIQ

Am 13. Dezember steigt ab 18 Uhr bei TrIQ (Glogauerstraße 19, 10999 Berlin) eine Linux Install P

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arty für alle interessierten Trans*, Inter*, Queers, Lesben und Frauen*, die abseits von cismännlichem Technik-Expertenmackertum Linux auf ihrem Laptop oder Netbook (wichtig: leider nicht für Macbooks!) installieren möchten und dabei Support oder einfach nur nette Gesellschaft benötigen.

Nach der Installation können wir uns bei Cola, Mate und netter Musik entspannen, grundlegende Fragen klären, wie z.B: “Welche Software steht mir zur Verfügung, um XY zu machen?”, “Wie installiere ich meinen Drucker und wie meinen Scanner?”, über die Problematiken unfreier Software (nicht zu verwechseln mit kostenpflichtiger Software) diskutieren und über den Sinn und Unsinn von 3D Druckern beraten.

Da wir bei TRIQ Internet haben werden, könnt ihr euch theoretisch jedes Betriebsystem herunterladen und installieren, das ihr gerne hättet. Vorbereitet sein wird diese Partyfür Linux MINT 15, ihr könnt aber auch Unterstützung bekommen für jede andere auf Ubuntu oder Fedora basierende Linux-Variante (“Distribution”).

Bitte bringt, wenn euer Computer kein CD/DVD-Laufwerk hat, einen leeren USB Stick mit. Leere DVDs werden vorhanden sein.

WICHTIG: Macht vorher eine Datensicherung von allen wichtigen Daten auf eine externe Festplatte oder eine CD/DVD!

Über Linux MINT:

Linux Mint basiert auf Ubuntu. Mit den MintTools (speziellen Werkzeugen), Feinschliff an vielen Ecken und Kanten sowie einem eleganten Aussehen versucht Mint, sowohl Einsteiger_innen als auch Fortgeschrittenen den Umgang mit GNU/Linux so einfach wie möglich zu machen. Insbesondere Umsteiger_innen von einem gewissen kommerziellen Betriebssystems , waren die ersten Fans von Linux Mint.

Grund für die Entwicklung von Linux Mint war und ist die gezielte Ausrichtung auf die Wünsche der Endanwender_innen – also eure Wünsche -, um genau dieser Zielgruppe die Möglichkeit eines leichten und problemlosen Umstiegs zu bieten. Zu diesem Zweck bietet Linux Mint beispielsweise eine umfangreichere Multimedia-Unterstützung an als Ubuntu: So sind in Linux Mint u.a. bereits Browser-Plugins, Audio- und Video-Codecs, DVD-Spieler, Java sowie weitere Komponenten, die ein Multimedia-Betriebssystem braucht – auch wenn einige davon unfreie Software sind.

Linux Mint ist zu 100% kompatibel mit Ubuntu, d.h. alle Programme, die unter Ubuntu funktionieren, funktionieren auch unter Linux Mint. In Linux Mint kommt als Standard-Desktop Gnome zum Einsatz.

Zum weiterstöbern:

 

Wir freuen uns auf euch!

F.A.Q. – Frequently asked questions…

… I’m never going to answer seriously

Folgende Fragen sind mir ungezählte Male an den absurdesten Orten gestellt worden. Im Supermarkt in der Schlange, im Bus, in Fahrstühlen. Und dann gibt es da auch Menschen, die sich nicht genieren, mich auf der Straße anzuhalten, um ihrem unstillbaren und unaufschiebbar dringendem Wissensdurst (nicht zu verwechseln mit Sensationsgier – diese spielt hier natürlich keine Rolle… *ironieoff*) Abhilfe zu schaffen.  Denn nur darum geht es natürlich: „Ich wollts eben einfach wissen, ist ja nicht böse gemeint!“

Hier also zur allgemeinen Wissenserweiterung die häufigst gestellten Fragen mit nicht ganz so sachlichen Antworten…

Verzeihung, darf ich dich mal was Persönliches fragen?
Was für ein freundlicher Einstieg ins Gespräch! Nett, dass du fragst bzw. nett, dass du deine geplante Grenzverletzung ankündigst. Wie aufmerksam von dir. Ich kenne dich nicht und eigentlich möchte ich gerade meine Ruhe haben, aber hey, da ich selbstverständlich auch ständig able-bodied – sich selbst als „gesund“ verstehende – Menschen nach random persönlichen Dingen frage, nur zu, frag mich!
Gegenfrage: Darf ich dir über den Fuß fahren? Nur mal so, um zu testen, was dann passiert?

Warst du schon immer so klein?
Jaa, ich war ein Riesenbaby, ich bin mit 80 cm aus meiner biologischen Mutter herausgekrabbelt. Ernsthaft, was denken sich Menschen, die sowas fragen eigentlich? Dass ich einen Autounfall hatte und auf wundersame Weise ganz plötzlich von 1,80 auf 80 cm geschrumpft bin? #logikfail

Warum kannst du eigentlich nicht laufen?
Der Klassiker. Die wahrscheinlich häufigste Frage die mir in meinem Leben je gestellt wurde nach „Wie gehts?“, „Wie spät ist es?“ und „Magst du noch einen Nachschlag?“. Fast möchte ich fragen, warum ich das denn können sollte, aaaber da fällt es mir wieder ein: Das ist ja nicht normal, was ich da mache, einfach so Rollstuhl zu fahren! Wie konnte ich da nur nicht drauf kommen und es ist ja völlig naheliegend, dann zu fragen, was mir denn einfiele!
Und – damit das noch mal ganz deutlich klargestellt wird –  das ist auch gar nicht böse gemeint! Im Ernst: Bevor du mich fragst, warum ich nicht laufe, frag dich mal, warum du laufen kannst und trotzdem mit mir in einem Fahrlstuhl stehst. Nimm die Treppe und nerv mich nicht!

Was hast du denn?
Langeweile. Von deinen Fragen vor allem.

Bist du alleine unterwegs?
(Jaa, im Ernst. Diese Frage habe ich ungefähr bis ich 16 oder 17 war regelmäßig zu hören bekommen.)
Ja, denn anders als du brauche ich keine Person, die darauf aufpasst, dass ich keine Menschen belästige und ihnen blöde Fragen stelle!

Auch ganz große Klasse sind alle Menschen, die mich an Bordsteinen fragen, ob sie mich schieben sollen und mich noch bevor ich antworten kann, festhalten. Besonders gerne tun das übrigens Busfahrer_innen.
Oder Menschen, die ihre grenzüberschreitenden Fragen damit rechtfertigen, dass sie Geschwister_Bekannte_Freund_innen_etc. kennen, die Rollstuhl fahren und deswegen „wie ich“ sind. Dieser kausale Zusammenhang bedarf keiner weiteren Erklärung, oder?
Darum wissen diese Menschen nämlich auch „wie das so ist“ und müssen mir ihr tiefstes Verständnis und Mitgefühl ausdrücken. Nun, um es meinerseits bildlich auszudrücken:

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Und das Schlusswort? Nun ja:
Ich habe nichts gegen laufende Menschen. Einige meiner besten Freund_innen können laufen. Ich weiß wie das ist… 😉

Am Start!

Hallo und <3-lich willkommen auf meinem Blog, liebe Besucher_innen!

Was gibt es hier zu sehen?

In unregelmäßigen Abständen werde ich hier Grafikarbeiten wie z.B. Flyer oder Plakate hochladen, die ich hauptsächlich mit GIMP und Scribus erstelle (siehe unten). Ab und an kann sich hier auch ein 3D Animationsvideo einschleichen, da ich seit etwas mehr als einem Jahr dabei bin, mir hauptsächlich über Online Tutorials den Umgang mit dem 3D Animationsprogramm Blender beizubringen.
Langfristig plane ich, Grafik-Workshops für FLT*I* Menschen zu geben. Einen ersten gab es übrigens auf dem diesjährigen LaDIYFest: http://www.ladyfest.net/lad-i-y-fest-2013/workshops-seminare/

Bisweilen kommt es aber auch vor, dass ich etwas schreibe, z.B. über meinen Alltag als rollstuhlfahrende Person in einer Welt, die fürs Laufen gebaut wurde.

Wer ist eigentlich riot_nrrrd?

hobby nerd, rollstuhlfahrer_in, wird behindert, weiß (=> nicht von rassismus betroffen), weiblich sozialisiert, trans*männlich ohne passing (= ich werde immer noch als weiblich* gelesen), pronomen er_sie, feminist killjoy, (lohn)arbeitslos.

Und warum GIMP?

Ich bin überzeugt davon, dass der Software-Kapitalismus nicht nur durch cracken von Bezahlsoftware wie einem gewissen Bildbearbeitungsprogramm, dass mit Ph anfängt und mit otoshop aufhört besiegt werden kann, sondern auch durch die Verbreitung und Stärkung von Open Source Strukturen und sei es nur durch den Ansporn für die Entwickler_innen durch steigende Downloadzahlen.

Zum weiter recherchieren:

  • http://www.gimp.org/
  • http://www.scribus.net/
  • http://www.blender.org/

Und wen es interessiert: Auf meinem PC habe ich Fedora 19 und Ubuntu 13.04 installiert. 🙂

Wenn ihr Kontakt aufnehmen wollt…

… z.B. für Layoutanfragen, schreibt einfach eine E-Mail an riot_nrrrd ät riseup dot net.